Sprachkompetenzen neu zugewanderter Schülerinnen und Schüler im Regelunterricht
Seit 2015 sind viele Minderjährige nach Deutschland gekommen. Mit dem deutlich verstärkten Zuzug ist – insbesondere in der jüngsten Zeit – auch das wissenschaftliche und didaktische Interesse für die Sprachkompetenzen dieser jungen Menschen gestiegen. Trotz der Relevanz und obwohl der Anteil aller Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter in NRW nun 15% beträgt (vgl. Destatis, 2025), wird sie in der Forschung in Deutschland wenig berücksichtigt.
Das Projekt SpraNZiR widmete sich diesem Desiderat. Es hatte als Ziel, die Sprachkompetenzen neu zugewanderter Schülerinnen und Schüler zu untersuchen. Dabei stand neben Deutsch auch die Fremdsprache Englisch im Fokus. Der Datenerhebung an Schulen gingen zwei vorbereitende Projektteile hervor: ein Scoping Review (Goltsev & von Dewitz, 2023) und eine Analyse bereits vorliegender Daten aus dem NEPS-Projekt (Caspari & Marx, 2022). Diese Arbeitsschritte offenbarten nicht nur klare Daten- und Forschungslücken; sie zeigten auch eine starke Heterogenität innerhalb der Gruppe der Neuzugewanderten, die Studien mit detaillierteren Fragebögen und Untersuchungen einzelner Kompetenzen erforderlich machen.
Daher wurden von 2021 bis 2024 die Sprachkompetenzen von 344 Schülerinnen und Schülern aus der 5. bis 8. Klasse, die am Regelunterricht in deutschen Schulen in NRW teilnahmen, erhoben. 115 von ihnen waren im schulfähigen Alter aus unterschiedlichen Ländern nach Deutschland zugewandert, hatten also nicht von Anfang an am Unterricht in Deutschland teilgenommen. Die übrigen Schülerinnen und Schüler besuchten dieselben Klassen, wurden aber bereits in Deutschland eingeschult und stellten so die Vergleichsgruppe für die Studie dar. In dieser Vergleichsgruppe sprach etwa die Hälfte aller Schülerinnen und Schüler eine nichtdeutsche Familiensprache – womit die Vergleichsgruppe der sonstigen Schülerpopulation entsprach.
Ein detaillierter Fragebogen erfasste die Sprachkenntnisse und Herkunftsländer der einzelnen Kinder und Jugendlichen sowie die Verwendung ihrer Sprachen in Schule und Familie. Drei etablierte Sprachkompetenztests untersuchten die Lesefähigkeiten im Deutschen und die Wortschatzleistungen im Deutschen und Englischen. Außerdem wurden Testinstrumente zur Untersuchung der Sprachbewusstheit für zukünftige Studien erprobt.
Erste Analysen der Daten ergaben große und über die Untersuchungszeit bestehenbleibende Leistungsunterschiede zwischen den neuzugewanderten Schülerinnen und Schülern und der Vergleichsgruppe.
Eine detaillierte Beschreibung von Methoden, Daten und Studienergebnissen findet man im Abschlussbericht des Projektes (Marx et al., 2024). Der Datensatz aus dem Projekt steht Forschenden für weitere Auswertungen zur Verfügung (Marx et al., 2025).
Wir danken allen Schülerinnen und Schülern sowie ihren Eltern und Schulen für ihre Beteiligung an unserer Studie.
Zu den einzelnen Projekten
- Lesefähigkeiten neu zugewanderter Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I
- Sprachbewusstheit von neu zugewanderten Schülerinnen und Schülern
- Sprachübergreifende Fähigkeiten neu zugewanderter Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I
- Wortschatzkenntnisse neu zugewanderter Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I
- Sekundäranalyse der NEPS-Daten zur sprachlichen Entwicklung von neu zugewanderten Schülerinnen und Schülern
- Scoping Review - Entwicklung sprachlicher und fachlicher Kompetenzen bei neu zugewanderten Schülerinnen und Schülern
- Selbstauskunftsfragebogen zur Erfassung demografischer und sprachbezogener Informationen von neu zugewanderten Schülerinnen und Schülern
Auf einen Blick
| Projekt | Sprachkompetenzen neuzugewanderter Schülerinnen und Schüler im Regelunterricht (SpraNZiR) |
|---|---|
| Ziel | Das zentrale Ziel des Projekts war es, die Sprachkompetenzen neu zugewanderter Schülerinnen und Schüler im Deutschen und Englischen zu untersuchen sowie den Zusammenhang zwischen sprachlichen Fähigkeiten in diesen Sprachen in den Blick zu nehmen. |
| Ergebnisse | 2025
2024
2023
|
| Laufzeit | Februar 2021 - Juni 2024 |
| Projektleitung | Prof. Dr. Nicole Marx Dr. Teresa Barberio |
| Projektteam | Jun.-Prof. Dr. Nora von Dewitz Jun.-Prof. Dr. Evghenia Goltsev Dr. Stefanie Bredthauer Dr. Sonja Eisenbeiß Dr. Annina Hessel Claus Caspari Melanie Fuchs Anastasia Knaus Leonie Regina Twente SHKs: Julia von Behring, Clara Burgwinkel, Anna Gorsch, Kyra Kashigin, Max Kronen, Juliette Thiessen |
| Kooperationspartner | Institut für Testforschung und Testentwicklung e. V. |
