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Mehrsprachiges reziprokes Lesen

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Foto: A. Etges/BiSS

Aus der empirischen Bildungsforschung ist bekannt, dass sowohl Schülerinnen und Schüler, die das Deutsche als Zweitsprache erwerben als auch solche mit einem niedrigen sozioökonomischen Status bzw. geringem kulturellem Kapital im Bildungssystem benachteiligt sind. Diese Ungleichheit zeigt sich an der Bildungsbeteiligung, am Erwerb schulisch vermittelter Fähigkeiten und am letztendlichen Bildungserfolg. Dabei spielt der enge Zusammenhang zwischen sprachlichen Fähigkeiten und dem fachlichem Kompetenzerwerb eine wesentliche Rolle. Es gibt jedoch weiterhin zahlreiche offene Forschungsfragen hinsichtlich des Bedingungsgefüges von individueller Mehrsprachigkeit, familiärer Lernumwelt und dem Erwerb allgemein-kognitiver, fachlicher und sprachlicher Fähigkeiten. Die wissenschaftliche Begleitung der Arbeit eines Schulverbundes im Rahmen der Bund-Länder-Initiative Bildung durch Sprache und Schrift (BiSS) soll zu einer Erforschung dieser Zusammenhänge beitragen.

Mit BiSS ist das Ziel verbunden, die schriftsprachlichen Fähigkeiten von Kindern und Jugendlichen in verschiedenen Etappen ihrer Bildungsbiografie zu fördern. Die Erprobung und Weiterentwicklung von Förderansätzen geschieht in eng miteinander vernetzten Schulverbünden. Einer dieser Verbünde umfasst vier Grundschulen aus der Region Köln, die nach dem Konzept der koordinierten Alphabetisierung bzw. dem koordinierten Lernen in Deutsch und Türkisch (KOALA bzw. KOLE), sowie dem Konzept Deutsch Lernen in mehrsprachigen Klassen (DeMeK) arbeiten. Im Rahmen der Verbundarbeit wurde ein am Translanguaging-Ansatz orientierter Förderansatz entwickelt: Dabei erhalten mehrsprachige Schülerinnen und Schüler Gelegenheit, sich Leseverstehen und fachliche Fähigkeiten auf der Basis ihres gesamten sprachlichen Repertoires anzueignen (vgl. Gantefort & Sánchez Oroquieta 2015). 

Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung wird die Entwicklung der rezeptiven schriftsprachlichen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler im Deutschen und Türkischen im Sinne einer formativen Evaluation erhoben. So sollen Aussagen über den Erfolg der Maßnahmen getroffen und die Fachkräfte in den Schulen aus einer wissenschaftlichen Perspektive bei der Entwicklung und Verbesserung von Förderansätzen beraten werden. Über die Fragestellung der Wirksamkeit und Weiterentwicklung der Fördermaßnahmen hinaus setzt sich das Forschungsvorhaben mit folgenden Aspekten auseinander:

  • den längsschnittlichen und sprachenübergreifenden Zusammenhang produktiver und rezeptiver schriftsprachlicher Fähigkeiten in Erst- und Zweitsprache
  • den längsschnittlichen Zusammenhang zwischen einer durch Mehrsprachigkeit geprägten frühkindlichen familiären Lernumwelt und dem schulisch gesteuerten Erwerb schriftsprachlicher Fähigkeiten
  • Effekte der Förderung der Erstsprache auf die Entwicklung kognitiver Fähigkeiten

Auf einen Blick

Ziel

Im Rahmen der wissenschaftlichen Begleitung wird die Entwicklung der rezeptiven schriftsprachlichen Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler im Deutschen und Türkischen im Sinne einer formativen Evaluation erhoben. So sollen Aussagen über den Erfolg der Maßnahmen getroffen und die Fachkräfte in den Schulen aus einer wissenschaftlichen Perspektive bei der Entwicklung und Verbesserung von Förderansätzen beraten werden.

Kooperation

Bezirksregierung Köln (María José Sánchez Oroquieta)

Gemeinschaftsgrundschule Alte Wipperfürther Straße (Köln)

Gemeinschaftsgrundschule Sankt Nikolaus (Köln)

Gemeinschaftsgrundschule an der Burg (Hückelhoven)

Michael-Ende-Schule (Köln)

Laufzeit

2014 - 2019

Projektleitung

Dr. Christoph Gantefort

Projektteam

Dr. Ina-Maria Maahs

Dr. Christina Winter

Material

Gantefort, Christoph & Sánchez Oroquieta, María J. (2015). Translanguaging-Strategien im Sachunterricht der Primarstufe: Förderung des Leseverstehens auf Basis der Gesamtsprachigkeit. Transfer Forschung ↔ Schule, 1(1), 24–37.