Jahrestagung 2026:
Mehrsprachigkeit in sprachlichen und fachlichen
Lehr-Lern-Umgebungen
Start in: 9 Wochen
Termin: 2. und 3. März 2026
Was Sie erwartet:
Die Lebenswelt der meisten Kinder und Jugendlichen in Deutschland ist heute mehrsprachig geprägt. Sie partizipieren an einem globalen Medienangebot, wachsen in mehrsprachigen Familien auf, verfügen über einen sprachlich vielfältigen Freundeskreis und lernen Fremdsprachen im Unterricht. Bildungsangebote im Schul- und Elementarbereich müssen daher auf eine mehrsprachige Zielgruppe ausgerichtet werden.
Was aber bedeutet es genau, dieser sprachlichen Vielfalt in heutigen Klassenzimmern und Kitas gerecht zu werden? Wie lassen sich mehrsprachige Kompetenzen nicht nur wertschätzen, sondern auch didaktisch nutzen? Welche Konzepte haben sich hier in den vergangenen Jahren als besonders fruchtbar erwiesen, um fachliche wie sprachliche Lehr-Lern-Settings mehrsprachigkeitsorientiert zu gestalten? Welche Strukturen und Haltungen braucht es, um diese gewinnbringend in der Praxis zu etablieren? Wie können Personen der Bildungsadministration dafür sensibilisiert und Lehrkräfte sowie pädagogisches Fachpersonal adäquat professionalisiert werden?
Gemeinsam mit Ihnen möchten wir reflektieren, inwiefern Mehrsprachigkeit an Bildungsinstitutionen sicht- und hörbar gemacht werden kann bzw. sollte, wie sich Mehrsprachigkeit in verschiedenen Fächern sowie dem Kita-Alltag gezielt fördern lässt und welche Effekte Sprachregelungen in didaktischen Settings bewirken, die (keine) Möglichkeiten zur Nutzung mehrsprachiger Kompetenzen eröffnen.
Ziel der Tagung ist es, über Bildungsetappen, Fachgrenzen und institutionelle Strukturen hinweg Impulsräume für wissenschaftlichen Austausch, Vernetzung und kooperative Weiterentwicklungen zu schaffen, um sprachliche wie fachliche Lehr-Lern- Umgebungen langfristig noch besser an die Bedürfnisse mehrsprachiger Lernender anzupassen.
Zum Anmeldeformular
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, sofern noch Plätze frei sind, ist eine Anmeldung bis zum 16. Februar 2026 möglich.
Treffen Sie im Rahmen der Anmeldung Ihre Auswahl an welchem Fachgespräch, Praxisworkshop oder Symposium Sie gerne teilnehmen möchten. Für die Teilnahme wird eine Tagungsgebühr in Höhe von 75 EUR erhoben, diese ist vorab per Überweisung zu entrichten. Genaue Informationen erhalten Sie in der Bestätigungsmail nach erfolgreicher Anmeldung.
Aufruf
an Lehrkräfte zur Beteiligung
an der 13. Jahrestagung des Mercator-Instituts
Zeigen Sie uns Ihren Blick auf Mehrsprachigkeit im (Fach-)Unterricht!
- In welchen konkreten Kontexten sehen Sie Potenziale, um Mehrsprachigkeit in den (Fach-)Unterricht einzubinden? Wo kann der Einbezug von Mehrsprachigkeit eher hinderlich für den Lernprozess sein?
- Welche konkreten Herausforderungen begegnen Ihnen bei der Berücksichtigung von Mehrsprachigkeit in der Praxis? Welche Erfolgserlebnisse können Sie berichten?
- Wo würden Sie sich noch mehr Unterstützung bei der Berücksichtigung von Mehrsprachigkeit aus der Wissenschaft, Politik oder Bildungsadministration wünschen? Was sind aktuelle Bedarfe aus der Praxis?
Was wir suchen:
- Kurze Video-Statements von Lehrkräften: Dauer max. 1 Minute, im Querformat.
- Am Anfang bitte kurz vorstellen, an welcher Schulform Sie tätig sind.
- Ihr Einverständnis, dass das Video auf der Mercator-Jahrestagung 2026 ausgestrahlt wird.
Bitte schicken Sie Ihr Video bis spätestens zum 15. Januar 2026 an mercator-tagunguni-koeln.de. Vielen Dank für Ihre Beteiligung!
Unser Dankeschön an Sie:
Wenn Ihr Video auf der Jahrestagung ausgestrahlt wird, erhalten Sie automatisch freien Eintritt an beiden Veranstaltungstagen. Darüber hinaus verlosen wir unter allen Video-Einsender:innen insgesamt 10 Freikarten für die 13. Jahrestagung des Mercator-Instituts am 2. und 3. März 2026 an der Universität zu Köln.
Sie können unseren Aufruf gerne an interessierte Lehrkräfte mit diesem Dokument weiterleiten. Bei allen noch offenen Fragen wenden Sie sich gern an mercator-tagunguni-koeln.de.
Übersicht
Abstract
Die Lebenswelt der meisten Kinder und Jugendlichen in Deutschland ist heute mehrsprachig geprägt. Sie partizipieren an einem globalen Medienangebot, wachsen in mehrsprachigen Familien auf, verfügen über einen sprachlich vielfältigen Freundeskreis und lernen Fremdsprachen im Unterricht. Bildungsangebote im Schul- und Elementarbereich müssen daher auf eine mehrsprachige Zielgruppe ausgerichtet werden.
Was aber bedeutet es genau, dieser sprachlichen Vielfalt in heutigen Klassenzimmern und Kitas gerecht zu werden? Wie lassen sich mehrsprachige Kompetenzen nicht nur wertschätzen, sondern auch didaktisch nutzen? Welche Konzepte haben sich hier in den vergangenen Jahren als besonders fruchtbar erwiesen, um fachliche wie sprachliche Lehr-Lern-Settings mehrsprachigkeitsorientiert zu gestalten? Welche Strukturen und Haltungen braucht es, um diese gewinnbringend in der Praxis zu etablieren? Wie können Personen der Bildungsadministration dafür sensibilisiert und Lehrkräfte sowie pädagogisches Fachpersonal adäquat professionalisiert werden?
Diesen und weiteren Fragen widmet sich die 13. Jahrestagung des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache mit dem Titel „Mehrsprachigkeit in sprachlichen und fachlichen Lehr-Lern-Umgebungen“. Dabei werden aktuelle Kontroversen zum Thema aufgegriffen und aus unterschiedlichen Perspektiven mit Akteur:innen aus Wissenschaft, Bildungspraxis und Bildungsadministration diskutiert.
Gemeinsam mit Ihnen möchten wir reflektieren, inwiefern Mehrsprachigkeit an Bildungsinstitutionen sicht- und hörbar gemacht werden kann bzw. sollte, wie sich Mehrsprachigkeit in verschiedenen Fächern sowie dem Kita-Alltag gezielt fördern lässt und welche Effekte Sprachregelungen in didaktischen Settings bewirken, die (keine) Möglichkeiten zur Nutzung mehrsprachiger Kompetenzen eröffnen.
In verschiedenen Formaten werden im Rahmen der Tagung gemeinsam aktuelle Themen aus Praxis und Forschung diskutiert, Forschungsergebnisse präsentiert und Erfahrungen ausgetauscht, um neue Ideen und Lösungsansätze zu generieren. Leitende Fragen sind dabei:
- Wie blicken verschiedene Akteur:innen des Bildungssystems – wie Schüler:innen, Lehrkräfte, Eltern, pädagogische Fachkräfte oder Aus- und Fortbildner:innen – auf Mehrsprachigkeit in Lehr-Lern-Settings?
- Wie gelingt es didaktischen Angeboten, Mehrsprachigkeit nicht nur als Lernvoraussetzung, sondern auch als Bildungsziel zu adressieren?
- Welche Rolle können mehrsprachige Didaktikansätze wie der des Translanguaging in Lehr-Lern-Prozessen und Lehrwerken spielen?
- Welche Potenziale bieten mehrsprachige Bildungsmodelle wie bilinguale Schulen und Kitas für das sprachliche und fachliche Lernen?
- Inwiefern wird das Thema Mehrsprachigkeit in der Lehrkräftebildung aufgegriffen?
Ziel der Tagung ist es, über Bildungsetappen, Fachgrenzen und institutionelle Strukturen hinweg Impulsräume für wissenschaftlichen Austausch, Vernetzung und kooperative Weiterentwicklungen zu schaffen, um sprachliche wie fachliche Lehr-Lern- Umgebungen langfristig noch besser an die Bedürfnisse mehrsprachiger Lernender anzupassen.
Anmeldung - hier zur Jahrestagung anmelden!
Anmeldung zur Jahrestagung 2026 des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache am 2. und 3. März 2026
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, sofern noch Plätze frei sind, ist eine Anmeldung bis spätestens zum 16. Februar 2026 möglich.
Zum Anmeldeformular
Treffen Sie im Rahmen der Anmeldung Ihre Auswahl an welchem Fachgespräch, Praxisworkshop oder Symposium Sie gerne teilnehmen möchten.
Für die Teilnahme wird eine Tagungsgebühr in Höhe von 75 EUR erhoben, diese ist vorab per Überweisung zu entrichten. Genaue Informationen erhalten Sie in der Bestätigungsmail nach erfolgreicher Anmeldung.
Tagungsort und Anreise
Haupt- und Seminargebäude
der Universität zu Köln
Albertus-Magnus-Platz
50923 Köln
2. März 2026
13:30 – 18:30 Uhr Aula 2 im Hauptgebäude, Gebäude 100 im Lageplan
Ab 17:00 Uhr Empfang vor der Aula 2 im Hauptgebäude, Gebäude 100 im Lageplan
3. März 2026
8:30 – 10:15 Uhr Aula 2 im Hauptgebäude, Gebäude 100 im Lageplan
Ab 10:15 Uhr Seminargebäude, Gebäude 106 im Lageplan
Bitte beachten Sie:
Eine bewachte Garderobe befindet sich ausschließlich im Hauptgebäude. Die Nutzung ist kostenlos und wir empfehlen, insbesondere Gepäckstücke dort aufzubewahren. Im Seminargebäude ist der Platz begrenzt und es stehen lediglich Garderobenständer zur Verfügung.
Anreise
Mit dem ÖPNV vom Hauptbahnhof Köln:
Vom Hauptbahnhof mit den U-Bahn Linien 16 oder 18 bis Neumarkt, von dort mit der Straßenbahnlinie 9 Richtung Sülz bis zur Haltestelle Universität. Die Fahrt dauert ungefähr 20 Minuten. Von der Haltestelle zu Fuß in Richtung Kreuzung Universitätsstraße, dort rechts abbiegen bis zum Hauptgebäude der Universität zu Köln.
Mit dem ÖPNV vom Bahnhof Köln Messe/Deutz:
Mit der Straßenbahnlinie 9 Richtung Sülz bis zur Haltestelle Universität. Die Fahrt dauert ungefähr 15 Minuten. Von der Haltestelle zu Fuß in Richtung Kreuzung Universitätsstraße, dort rechts abbiegen bis zum Hauptgebäude der Universität zu Köln.
Fußweg vom Bahnhof Köln Süd:
Den Ausgang Zülpicher Straße nutzen, links entlang der Zülpicher Straße in Richtung Lindenthal bis zur Kreuzung Universitätsstraße. Dort rechts abbiegen bis zum Hauptgebäude der Universität zu Köln. Der Fußweg dauert etwa 5 – 10 Minuten.
Programm - Montag, 2. März 2026
Vorläufiges Programm am 2. März 202613:30 – 17:00 Uhr | |
|---|---|
| Moderation der Tagung: Dr.'in Ina-Maria Maahs | |
| ab 13:30 | Anmeldung |
| 14:00 | Grußworte |
| 14:10 | Begrüßung durch das Mercator-Institut Prof. Dr. Hans-Joachim Roth, Direktor des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache |
| 14:30 | Podiumsdiskussion Mehrsprachigkeit im Spiegel von Wissenschaft, Praxis und Bildungsadministration Teilnehmende: Prof.in Dr. Dr. h.c. mult. Ingrid Gogolin, Interkulturelle und International Vergleichende Erziehungswissenschaft, Universität Hamburg Mostapha Boukllouâ, Leiter des Referats 323 Integration durch Bildung, Kommunale Integrationszentren und Landesstelle Schulische Integration, Herkunftssprachlicher Unterricht, Mehrsprachigkeit, Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen |
| 15:30 | Thematische Einführung aus dem Mercator-Institut Prof.'in Dr. Nicole Marx, Ko-Direktorin des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache |
| 16:00 | Moderierte Poster-Session Moderation: Prof. Dr. Hans-Joachim Roth, Direktor des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache |
| ab ca. 17:00 | Empfang: Geselliges Beisammensein und informeller Austausch |
Programm - Dienstag, 3. März 2026
Vorläufiges Programm am 3. März 202608:30 – 10:15 Hauptgebäude, Aula 2 | |
|---|---|
| Moderation der Tagung: Dr.'in Ina-Maria Maahs | |
| ab 8:30 | Anmeldung |
| 9:00 | Beginn |
| 9:05 | Cultural Act "Kuschvogel und Matschkakatze". Mehrsprachigkeit, Sprachspiel und Poesie. Autoren-Lesung aus dem Buch "Planetenspatzen" von Andrea Karimé. Andrea Karimé, Kinderbuchautorin und Geschichtenerzählerin |
| 9:25 | Keynote Potenziale der Mehrsprachigkeitsforschung für sprachlich-fachliche Lernprozesse: Ein Fallbeispiel Prof.'in Dr. Natalia Gargarina, Leibniz-Zentrum Allgemeine Sprachwissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin |
| |
| 10:30 | Kaffeepause |
| 11:00 | Parallele Formate Teil I (Weitere Informationen siehe unten sowie unter “Parallele Formate im Detail”) |
| 12:30 | Mittagspause |
| 13:30 | Parallele Formate Teil II (Weitere Informationen siehe unten sowie unter “Parallele Formate im Detail”) |
| 15:00 | Kaffeepause |
| 15:15 | Gemeinsamer Austausch und Abschlussrunde |
Unsere parallelen Formate am 03. März 2026 im ÜberblickTeil I von 11:00 – 12:30 Uhr | |
|---|---|
| Fachgespräch | Basiskompetenzen fördern – mehrsprachig? |
| Fachgespräch | Mehrsprachigkeit in Lehrwerken – Lehrkräfte, Wissenschaft und Verlage im Gespräch |
| Fachgespräch | Quo vadis Herkunftssprachlicher Unterricht (HSU)? |
| Praxisworkshop | Fehler? Kompetenz! Ein Workshop zur ressourcenorientierten Sprachdiagnostik in mehrsprachigen Lernkontexten |
| Symposium | Mehrsprachigkeit und metasprachliches Bewusstsein im Sprachunterricht |
| Symposium | Stimmen der Lernenden: Schüler:innenperspektiven auf Mehrsprachigkeit und sprachliche Vielfalt im Unterricht |
Podiumsdiskussion: Mehrsprachigkeit im Spiegel von Wissenschaft, Praxis und Bildungsadministration - Montag, 02.03.2026
Mehrsprachigkeit im Spiegel von Wissenschaft, Praxis und Bildungsadministration
Podiumsdiskussion
Zum Auftakt der Jahrestagung wird Mehrsprachigkeit im deutschen Bildungssystem aus unterschiedlichen Perspektiven in den Blick genommen. Ausgewiesene Vertreter:innen aus Wissenschaft und Bildungsadministration diskutieren gemeinsam zentrale Herausforderungen und Entwicklungen, die durch praxisnahe Beiträge ergänzt werden. Die Veranstaltung setzt den fachlichen Rahmen für die nachfolgenden Diskussionen der Jahrestagung und eröffnet einen offenen Austausch darüber, wie Mehrsprachigkeit im Bildungssystem konstruktiv gestaltet und weiterentwickelt werden kann.
Bei der Podiumsdiskussion werden auch die Videostatements der Lehrkräfte eingespielt, die für die Teilnehmenden als Impulse für die weiterführende Diskussion dienen sollen.
Die Teilnehmenden der Podiumsdiskussion sind:
Prof.in Dr. Dr. h.c. mult. Ingrid Gogolin
Frau Gogolin ist Senior-Professorin für International Vergleichende und Interkulturelle Bildungsforschung an der Universität Hamburg und gehört zum Leistungsteam des Forschungszentrums „Literacy in Diversity Settings (LiDS)“ der Universität. Im Zentrum ihrer Forschung stehen Zusammenhänge zwischen Migration, Mehrsprachigkeit und Bildung. Dabei geht es weniger um das Lehren und Lernen bestimmter Sprachen (also etwa des Deutschen als Zweitsprache oder von Herkunftssprachen), sondern um Sprache als Grundlage für das Lernen überhaupt. Leitende Frage ist: Wie können die Vorteile der Mehrsprachigkeit für Bildung und Lernen in der Einwanderungsgesellschaft nutzbar gemacht werden, und wie können zugleich Schwierigkeiten, die mit sprachlicher Diversität einhergehen können, gemindert werden.
Mostapha Boukllouâ
Mostapha Boukllouâ ist Leiter des Referats 323 Integration durch Bildung und Kommunale Integrationszentren sowie der Landesstelle Schulische Integration, Herkunftssprachlicher Unterricht, Mehrsprachigkeit am Ministerium für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen.
Keynote: Potenziale der Mehrsprachigkeitsforschung, Prof.'in Dr. Natalia Gargarina - Dienstag, 03.03.2026
Potenziale der Mehrsprachigkeitsforschung am Fallbeispiel Mohamed Krzysztof Schneider
Betrachtet man die Lehr-Lern-Umgebungen von mehrsprachigen Kindern heute, so haben sich die relevanten Rahmenbedingungen für Sprachentwicklung in den letzten Jahren deutlich verändert. Sie sind zunehmend durch ein komplexes Zusammenspiel formeller und informeller, analoger und digitaler Kontexte geprägt. Mehrsprachiger Spracherwerb vollzieht sich damit auf unterschiedlichen Ebenen und Lehr-Lern-Umgebungen, deren förderliche Bedingungen idealerweise aufeinander abgestimmt werden sollten. Andernfalls besteht – wie unter anderem Ergebnisse der PISA-Studien zeigen – die Gefahr, dass Jugendliche die Schule ohne hinreichende Schriftsprachkompetenzen verlassen.
Vor diesem Hintergrund nimmt der Vortrag das Fallbeispiel Mohamed Krzysztof Schneider zum Ausgangspunkt, um zu zeigen, wie Erkenntnisse der Mehrsprachigkeitsforschung zur evidenzbasierten Weiterentwicklung sprachlicher und fachlicher Lehr-Lern-Umgebungen beitragen können. Zugleich werden Methoden der Sprachstanderhebung diskutiert sowie Perspektiven zur Verstetigung erfolgreicher Maßnahmen und daraus abzuleitende bildungs- und sprachpolitische Implikationen aufgezeigt. Damit knüpft der Vortrag an das Tagungsziel an, über Bildungsetappen und institutionelle Strukturen hinweg Anregungen für eine erfolgreiche Mehrsprachigkeit zu geben und wissenschaftliche Erkenntnisse für bildungspolitische Entscheidungen nutzbar zu machen.
Vita Prof.'in Dr. Natalia Gargarina
Prof.'in Dr. Natalia Gagarina leitet den Forschungsbereich „Sprachentwicklung & Mehrsprachigkeit“ am Leibniz-Zentrum „Allgemeine Sprachwissenschaft” (ZAS) und ist außerplanmäßige Professorin am Institut für Deutsche Sprache und Linguistik der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie erforscht den (mehrsprachigen) Spracherwerb und (mit)entwickelt Sprachstanderhebungsinstrumente, wie zum Beispiel das weltweit eingesetzte „Multilingual Assessment Instrument for Narratives” (MAIN), das in 107 Sprachen und Dialekten verfügbar ist. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt im Wissenstransfer zu Mehrsprachigkeit und Sprachdiagnostik. Dafür hat sie beispielsweise die Flyerreihe „Wissenschaft fürs Leben“ des „Berliner Interdiziplinären Verbunds für Mehrsprachigkeit” (BIVEM) und ein Sprachdiagnostiksinstrument für mehrsprachige Kinder im Alter von 4 bis 8 Jahren (TEBIK 4-8) initiiert.
Cultural Act: Autorenlesung - Dienstag, 03.03.2026
"Kuschvogel und Matschkakatze". Mehrsprachigkeit, Sprachspiel und Poesie.
Autorenlesung aus dem Buch "Planetenspatzen"
Geschenkte Wörter in verschiedenen Sprachen stehen am Anfang von Andrea Karimés Arbeit. Seit vielen Jahren lässt sie sich die Kinderbuchautorin und Geschichtenerzählerin „Wörter“ von Kindern in Deutschland schenken, die den Kindern sehr wichtig sind oder ihnen einfach gut gefallen. Sie nimmt sich all diese Wörter und verarbeitet sie zu Minigeschichten, Reimen, Zungenbrechern oder anderen (Mehr-)Sprachkunstwerken. So ist beispielsweise auch ihr Buch „Planetenspatzen“ entstanden, aus dem sie eine Kurzvorlesung vortragen wird. In dem Buch werden 14 der häufigsten nach Deutschland eingewanderten Sprachen auf lustige und unterhaltsame, spielerische, aber auch nachdenkliche Art und Weise gemeinsam mit der deutschen Sprache kombiniert. In der Autorenlesung werden daraus mehrsprachige Gedichte präsentiert, die kreativ mit Unterschieden und Gemeinsamkeiten verschiedener Sprachen spielen und poetisch in den Fokus setzen.
Autorenlesung von Andrea Karimé, Kinderbuchautorin und Geschichtenerzählerin.
Abschlussrunde: Mehrsprachigkeit – ein Thema für die Lehrkräfteprofessionalisierung?! - Dienstag, 03.03.2026
Mehrsprachigkeit – ein Thema für die Lehrkräfteprofessionalisierung?!
Abschlussrunde und gemeinsamer Austausch
In der Abschlussrunde der Jahrestagung diskutieren Vertreter:innen aller drei Phasen der Lehrkräftebildung, welche Bedeutung die gewonnenen Erkenntnisse und Praxisimpulse aus den zurückliegenden Veranstaltungsformaten für die Professionalisierung von Lehrkräften haben.
Im gemeinsamen Austausch wird reflektiert, inwiefern zentrale Themen der Tagung in die Lehrkräfteaus- und -fortbildung sowie schulische Praxis einfließen können und sollen. Dabei wird auch beleuchtet, welche strukturellen Entwicklungen hierfür notwendig wären. Die Runde bietet Raum, um unterschiedliche Perspektiven zusammenzuführen und mögliche nächste Schritte für eine zukunftsorientierte Lehrkräftebildung zu skizzieren, in der das Thema mehrsprachigkeitsorientiertes Unterrichten systematisch eingebettet ist und bedarfsorientiert adressiert wird.
Die Teilnehmenden der Abschussrunde sind:
Prof. Dr. Heike Roll (Erste Phase - universitäre Lehrkräfteausbildung)
Heike Roll ist seit 2012 Professorin für Deutsch als Zweit- und Fremdsprache am Institut für DaZ/DaF an der Universität Duisburg-Essen sowie Sprecherin des „Instituts für fachorientierte Sprachbildung und Mehrsprachigkeit“, das am Zentrum für Lehrkräftebildung der Universität Duisburg-Essen angesiedelt ist. Ihre Schwerpunkte in Lehre und Forschung liegen in folgenden Bereichen:
- Sprachbildung im Fach (fachorientiert, mehrsprachig, inklusiv),
- Literalität in Deutsch als Zweitsprache (Fokus Schreib- und Textkompetenz),
- ästhetisch-kulturelle Sprachbildung (Fokus außerschulische Lernorte).
Karin Wiebe (Zweite Phase - Vorbereitungsdienst)
Katharina Wiebe ist gelernte Buchhändlerin und hat zunächst Germanistik, Soziologie und Pädagogik studiert. Nach einer Kinderpause hat sie die Prüfung für das Lehramt an Grundschulen abgelegt und 20 Jahre in diesem Beruf an einer Schule mit Kindern aus verschiedenen Ländern gearbeitet. Während sie für lange Zeit begleitend in der Ausbildung tätig war, ist sie seit einigen Jahren hauptamtliche Ausbilderin für Deutsch an der Grundschule und arbeitet noch einen Tag in der Woche selbst an einer Grundschule.
Hendrik Stammermann (Dritte Phase - Lehrkräftefort- und -weiterbildung)
Hendrik Stammermann war 18 Jahre Lehrkraft für Deutsch und Englisch und ist Lerncoach. Er war Fortbildner für das Fach Deutsch in der Sek II und ist seit 2018 Leitung des Referats Sprachen sowie der Stabsstelle Wissenschaftstransfer am Landesinstitut für Qualifizierung und Qualitätsentwicklung an Schulen in Hamburg.
Übernachtung
Für Übernachtungsgäste sind vom 2. auf den 3. März 2026 Abrufkontingente in verschiedenen Kölner Hotels mit guter Anbindung zum Tagungsort reserviert, diese können eigenständig und auf eigene Kosten gebucht werden.
Ibis Köln Centrum
Neue Weserstraße 4
50676 Köln
170,00 EUR pro Nacht pro Einzelzimmer und Nacht inkl. Frühstück, zzgl. 7,65 EUR Übernachtungssteuer.
Buchung per E-Mail an h1449-reaccor.com unter dem Stichwort „Mercator-Jahrestagung“.
Buchbar bis zum 20. Januar 2026.
Eine kostenfreie Stornierung ist bis 3 Tage vor Anreise möglich.
Flandrischer Hof
Flandrische Straße 3-11
50674 Köln
ca. 172,00 EUR pro Einzelzimmer und Nacht inkl. Frühstück, zzgl. 5% Übernachtungssteuer.
Buchung per E-Mail an infoflandrischerhof.de unter dem Stichwort „Mercator-Jahrestagung“.
Buchbar bis zum 2. Februar 2026.
Fest gebuchte Zimmer können bis 14 Tage vor Anreise kostenfrei storniert werden.
Nuno Hotel Köln City
Barbarossaplatz 4a
50674 Köln
145,00 EUR pro Einzelzimmer und Nacht inkl.Frühstück, zzgl. 5% Übernachtungssteuer.
Buchung per E-Mail an mailnunohotel.com unter dem Stichwort „Mercator-Jahrestagung“.
Buchbar bis zum 10. Februar 2026.
Eine kostenfreie Stornierung der gebuchten Zimmer ist bis zum 20.02.2026 möglich.
Call for Posters - beendet
Call for Posters - beendet
Im Rahmen der 13. Jahrestagung des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache mit dem Titel „Mehrsprachigkeit in sprachlichen und fachlichen Lehr-Lern-Umgebungen“ laden wir zur Einreichung von Abstracts zu Posterbeiträgen ein.
Die Posterpräsentation bietet die Gelegenheit, aktuelle Forschungs-, Transfer- oder Praxisprojekte zu präsentieren und in den Austausch darüber zu kommen. Herzlich willkommen sind dabei explizit auch work in progress-Berichte sowie Qualifikationsarbeiten. Möglich sind empirische Beiträge ebenso wie praxisorientierte Konzepte oder Projekte, die sich mit Aspekten von Mehrsprachigkeit in Bildungskontexten auseinandersetzen.
Die eingereichten Poster sollten thematisch an zentrale Fragestellungen der Tagung anschließen, darunter:
- Welche didaktischen Konzepte eignen sich zur Förderung und Nutzung von Mehrsprachigkeit in Kita, Schule und darüber hinaus?
- Wie lässt sich Mehrsprachigkeit als Lernvoraussetzung berücksichtigen und als Bildungsziel in fachlichen Lehr-Lern-Settings adressieren/verfolgen?
- Welche Potenziale bieten Translanguaging und andere mehrsprachigkeitsorientierte Ansätze in Theorie und Praxis?
- Welche Erfahrungen mit und Sichtweisen auf sprachliche Vielfalt in Lehr-Lern-Settings berichten verschiedener Akteur:innen des Bildungssystems?
- Wie wirksam sind mehrsprachige Bildungsmodelle (z. B. bilinguale Kitas oder Schulen) und wie lässt sich diese Wirksamkeit messen?
- Wie werden Lehrkräfte und pädagogisches Personal im Hinblick auf sprachlich heterogene Lernkontexte professionalisiert?
- Welche institutionellen Rahmenbedingungen und strukturelle Herausforderungen sind bei der Implementierung mehrsprachigkeitsorientierter Bildungsangebote zu berücksichtigen?
Einreichung:
Bis zum 30. November 2025 konnten Abstracts für die Postersession eingereicht werden. Der Call ist jetzt abgeschlossen und wir freuen uns sehr über die zahlreichen Beiträge. Es können keine weiteren Einreichungen angenommen werden.
Die Auswahl erfolgt durch eine wissenschaftliche Auswahlgruppe aus dem Organisationsteam der Tagung. Die ausgewählten Poster werden im Rahmen der Tagung ausgestellt und während der moderierten Postersession durch einen kurzen Impuls vorgestellt.
Für Rückfragen zur Einreichung oder zur Gestaltung der Poster melden Sie sich unter: cfp-mercatoruni-koeln.de.
Wir freuen uns auf Ihre Beiträge!
Call for Papers - Symposium Mehrsprachigkeit im Sprachunterricht - beendet
Call for Papers - Symposium - beendet
Mehrsprachigkeit und metasprachliches Bewusstsein im Sprachunterricht
Jahrestagung 2026 des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache
03. März 2026, 11:00-15:00 Uhr
Die Mehrsprachigkeit von Schüler*innen stellt sich einerseits als Realität für das schulische Lernen dar, denn ein großer Anteil von Lernenden wächst in mehrsprachigen Familien auf (vgl. Stanat et al. 2021). Zum anderen wird Mehrsprachigkeit in den Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz als Zielsetzung schulischer Bildung operationalisiert:
In den Fremdsprachen übergeordnet in Form einer „plurilingualen Diskurskompetenz“ (vgl. KMK 2023); im Fach Deutsch stärker eingeordnet in den Kanon der Einzelkompetenzen mit einem Fokus auf die Fähigkeit, sprachliche Phänomene in verschiedenen Einzelsprachen miteinander vergleichen zu können (vgl. KMK 2022).
Vor dem Hintergrund von Forschungsergebnissen, die Vorteile mehrsprachiger Personen in der Aneignung von (neuen) Sprachen zeigen (vgl. z. B. Hirosh & Degani 2018) stellt sich die Frage, inwiefern mehrsprachigkeitsorientierte didaktische Arrangements im Sprachunterricht geeignet sind, Potenziale mehrsprachiger Schüler*innen für das sprachliche Lernen zu aktivieren und auszuschöpfen (vgl. z. B. Dietrich-Grappin, Gogolin & Usanova 2024). Als ein möglicher Anknüpfungspunkt gelten mehrsprachigkeitsdidaktische Konzepte wie Language Awareness (Garret & James 1993), Translanguaging (Garcia & Li 2014) oder Interkomprehension (Meißner 2020), in welchen auch die Förderung metasprachlichen Bewusstseins (vgl. Garret & James 1993, Jessner 2006) eine wesentliche Rolle spielt.
Der Forschungsstand zu den Effekten von mehrsprachigkeitsdidaktischen Ansätzen, der Förderung metasprachlichen Bewusstseins und den gegebenen mehrsprachigen Fähigkeiten der Lernenden auf die Aneignung von Kompetenzen im Sprachunterricht stellt sich jedoch zum gegenwärtigen Zeitpunkt als uneindeutig und nicht konklusiv dar (vgl. Studer 2025). Daher soll in diesem Symposium Gelegenheit geschaffen werden, aktuelle Forschungsarbeiten zu diesem Gegenstandsfeld vorzustellen und zu diskutieren.
Eingeladen sind im Besonderen empirische Beiträge zu den Effekten mehrsprachigkeitsdidaktischer Interventionen sowie zum Zusammenhang zwischen metasprachlichen Fähigkeiten und der Entwicklung von Kompetenzen in den schulischen Fremdsprachen, in den im herkunftssprachlichen Unterricht vermittelten Sprachen und im Fach Deutsch. Darüber hinaus sind auch theoretisch-konzeptionelle Beiträge willkommen sowie solche, die sich auf die Professionalisierung von (angehenden) Lehrkräften beziehen.
Einreichung:
Bis zum 30. November 2025 konnten Abstracts für das Symposium eingereicht werden. Der Call ist jetzt abgeschlossen und wir freuen uns sehr über die zahlreichen Beiträge. Es können keine weiteren Einreichungen angenommen werden.
Download-Call-for-Papers-Symposium-Mehrsprachigkeit
Literatur
Dietrich-Grappin, S., Gogolin, I., & Usanova, I. (2024). Migrationssensibler Fremdsprachenunterricht – Voraussetzungen, Lerngelegenheiten und Ziele am sogenannten dritten Ort. Einführung in den Themenschwerpunkt. Zeitschrift für interkulturellen Fremdsprachenunterricht 29(2), 1-20.
García, O. & Li, W. (2014). Translanguaging: Language, bilingualism and education. Palgrave Macmillan.
Hirosh, Z., & Degani, T. (2018). Direct and indirect effects of multilingualism on novel language learning: An integrative review. Psychonomic bulletin & review, 25(3), 892–916.
Jessner, U. (2006). Linguistic Awareness in Multilinguals: English as a Third Language. Edinburgh: Edinburgh University Press.
Kultusministerkonferenz (KMK) (2022). Bildungsstandards für das Fach Deutsch Erster Schulabschluss (ESA) und Mittlerer Schulabschluss (MSA), from https://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2022/2022_06_23-Bista-ESA-MSA-Deutsch.pdf.
Kultusministerkonferenz (KMK) (2023). Bildungsstandards für die erste Fremdsprache (Englisch/Französisch) für den Ersten Schulabschluss und den Mittleren Schulabschluss, from https://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2023/2023_06_22-Bista-ESA-MSA-ErsteFremdsprache.pdf.
Meißner, F. J. (2020). Interkomprehensions- und Mehrsprachigkeitsdidaktik in Deutschland. In C. Hülsmann, C. Ollivier & M. Strasser, (Hrsg.), Lehr- und Lernkompetenzen für die Interkomprehension (S. 25–44). Waxmann.
Stanat, P., Schipolowski, S., Schneider, R., Sachse, K. A., Weirich, S., & Henschel, S. (Eds.) (2022). IQB-Bildungstrend 2021: Kompetenzen in den Fächern Deutsch und Mathematik am Ende der 4. Jahrgangsstufe im dritten Ländervergleich. Erscheinungsort nicht ermittelbar: Waxmann Verlag.
Studer T. (2025). Fremdsprachliche Kompetenzen im Zeichen plurilingualer Ansätze: Ambivalenzen verstehen und damit umgehen können. In N. Kulovics, O. Mentz, & T. Raith (Hrsg.), Grenzen, Grenzräume, Entgrenzungen. Perspektiven in der Fremdsprachenforschung (pp. 21–38). Schneider: Bielefeld.
Call for Papers - Symposium Stimmen der Lernenden - beendet
Call for Papers - Symposium - beendet
Stimmen der Lernenden: Schüler:innenperspektiven auf Mehrsprachigkeit und sprachliche Vielfalt im Unterricht
Jahrestagung 2026 des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache
03. März 2026, 11:00-15:00 Uhr
Die Perspektive von Schüler:innen auf Mehrsprachigkeit im Unterricht stellt ein bislang wenig erforschtes, aber hoch relevantes Feld der sprachlichen Bildung dar. Diese Relevanz zeigt sich insbesondere in Fragen der lerner:innenorientierten Gestaltung sprachlich sensibler Bildungssettings, sowohl im Hinblick auf die Förderung gesamtsprachlicher Kompetenzentwicklungen als auch auf inklusive Bildungsprozesse von mehrsprachigen Lernenden. Während sich ein Großteil der bisherigen Forschung auf die Perspektive von Lehrkräften konzentriert, institutionelle Rahmenbedingungen in den Blick nimmt oder didaktische Sprachpraktiken fokussiert, bleibt die Sichtweise der Lernenden selbst oft unterbeleuchtet (Decristan et al. 2024). Dabei zeigen Erkenntnisse aus der Zweit- und Fremdsprachenforschung, dass die Überzeugungen von Lernenden in komplexer Weise auf Sprachlernprozesse wirken und als bedeutender individueller Einflussfaktor zu verstehen sind (Ellis 2008).
Auch aus Sicht der Spracherhalts- und Schulforschung gewinnt die Perspektive von Kindern und Jugendlichen zum Thema Mehrsprachigkeit zunehmend an Bedeutung. Dabei ist es entscheidend, Kinder und Jugendliche als kompetente Akteur:innen anzuerkennen, die in der Lage sind, differenzierte Auskünfte über ihre sprachlichen Erfahrungen und Einstellungen zu geben (Fuhs, 2012). Damit verbunden ist die Forderung nach gerechter Teilhabe in sprachlich relevanten gesellschaftlichen Bereichen (ebd.). Dies beinhaltet, Kindern und Jugendlichen ausdrücklich eine Stimme zu verleihen, um ihre Erfahrungen mit und Einstellungen zu Mehrsprachigkeit sichtbar und hörbar zu machen (vgl. u. a. Smith-Christmas, 2022; Cantone & Triulzi, 2024).
Im Kontext der Grundschulbildung liefert die Studie von Decristan et al. (2024) quantitative Erkenntnisse aus der Perspektive der Schüler:innen zum fluiden Einsatz mehrerer Sprachen, insbesondere in Bezug auf Klassenklima und Classroom Management. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sowohl mehrsprachig als auch einsprachig aufgewachsene Schüler:innen in Interventionsgruppen eine positive Unterrichtsqualität in mehrsprachigkeitsorientierten Unterrichtssettings wahrnehmen. Gleichzeitig zeigen andere Untersuchungen, dass in der schulischen Praxis weiterhin monolinguale Orientierungen vorherrschen und als solche wahrgenommen werden. Kinder berichten von Sprachgeboten oder -verboten und vom Verzicht auf ihre Familiensprachen im Schulkontext (Rühlmann 2021; Groskreuz 2020). Auch der Wunsch nach sprachlicher Anpassung und der Verbesserung der Deutschkenntnisse prägt vielfach das Verhalten von mehrsprachigen Schüler:innen über die Grundschulphase hinaus (Triulzi 2023).
Im Sekundarbereich zeigen internationale Studien, dass Schüler:innen die Bedeutung sprachlicher Diversität reflektieren und mehrsprachige Praktiken grundsätzlich positiv bewerten. So äußern beispielsweise monolingual Deutsch aufgewachsene Schüler:innen den Wunsch, die weiteren Familiensprachen ihrer Freund:innen zu lernen (Wojnesitz, 2010). Laut Tichelovens et al. (2021) sind Schüler:innen sensibel dafür, wann Sprache ausschließend wirkt, und bewerten mehrsprachige Praktiken grundsätzlich positiv, solange sie sich selbst nicht ausgeschlossen fühlen. Auch groß angelegte quantitative Studien wie die von Haukås et al. (2022) mit norwegischen Sekundarschüler:innen belegen differenzierte Einstellungen zu Mehrsprachigkeit. Besonders positiv äußern sich Schüler:innen mit Migrationshintergrund, Auslandserfahrung oder Freundschaften mit Personen anderer Familiensprachen. Zugleich zeigt sich, dass Schüler:innen vor allem Vorteile von Mehrsprachigkeit auf kognitive Entwicklungen generell, weniger jedoch Vorteile für den unmittelbaren schulischen Erfolg annehmen. In anderen Studien wird deutlich, dass die Mehrsprachigkeit von Jugendlichen im schulischen Kontext häufig wenig Wertschätzung erfährt. Kompetenz in Familiensprachen bleibt oft unberücksichtigt, während Sprachgebote und -verbote den Umgang mit Mehrsprachigkeit prägen (Wamhoff et al. 2022; von Dewitz et al. 2022).
Trotz dieser vielfältigen Einblicke bleiben zentrale Fragen weitgehend offen: Wie erleben Schüler:innen verschiedener Altersstufen und sprachlicher Hintergründe Mehrsprachigkeit im Unterricht? Welche Rolle spielen Zugehörigkeit und Machtverhältnisse im Klassenzimmer? Und unter welchen Bedingungen lässt sich Mehrsprachigkeit als Ressource nutzen und ausbauen? Unter welchen Bedingungen wird Mehrsprachigkeit von den Lernenden selbst als Herausforderung wahrgenommen? Ebenso stellt sich die Frage, was den Schüler:innen von außen gespiegelt wird: Wird ihre gesamtsprachliche Kompetenz anerkannt und wertgeschätzt oder eher defizitär wahrgenommen?
Im Rahmen der Jahrestagung des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache 2026 laden wir Forschende ein, Beiträge für das Symposium „Stimmen der Lernenden: Schüler:innenperspektiven auf Mehrsprachigkeit und sprachliche Vielfalt im Unterricht“ einzureichen. Ziel ist es, aktuelle empirische, theoretische und methodische Arbeiten zu präsentieren, die sich mit der Wahrnehmung, den Einstellungen und den Erfahrungen von Schüler:innen in mehrsprachigen Unterrichtskontexten auseinandersetzen.
- Wie nehmen Schüler:innen verschiedener Altersgruppen (Primarbereich, Sekundarstufe I und II, inklusive Berufsschule) Mehrsprachigkeit im Unterricht wahr?
- Welche Einstellungen und Überzeugungen äußern Schüler:innen zu ihrer eigenen Mehrsprachigkeit?
- Wie nehmen sie sprachliche Vielfalt im Klassenzimmer und den Umgang damit wahr?
- Wie erleben Schüler:innen das Verhältnis zwischen Unterrichtssprache(n) und Familiensprache(n)?
- Welche Erfahrungen machen in der Familie monolingual aufgewachsene Schüler:innen mit mehrsprachigen Unterrichtskonzepten?
- Wie wirken sich mehrsprachige Lehr- und Lernpraktiken aus Schüler:innensicht auf das Lernen, die Interaktion im Unterricht und das Unterrichtsklima aus?
- Welche Rolle spielen soziale Zugehörigkeit, Ausgrenzung und Machtverhältnisse in sprachlich heterogenen Klassen aus der Perspektive der Lernenden?
- Welche methodischen und/oder methodologischen Zugänge eignen sich zur Erhebung von Schüler:innenperspektiven auf Mehrsprachigkeit im Unterricht?
Erwünscht sind Beiträge, die sich auf empirischer Grundlage mit diesen Fragen auseinandersetzen, sei es durch qualitative, quantitative oder Mixed-Methods-Ansätze. Für das Symposium sind Präsentationen mit einer Dauer von ca. 20 Minuten sowie eine anschließende Diskussion von 10 Minuten vorgesehen. Die Vortragssprache kann Deutsch oder Englisch sein. Für die Folien können alle Sprachen und Sprachvarietäten verwendet werden.
Einreichung:
Bis zum 30. November 2025 konnten Abstracts für das Symposium eingereicht werden. Der Call ist jetzt abgeschlossen und wir freuen uns sehr über die zahlreichen Beiträge. Es können keine weiteren Einreichungen angenommen werden.
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Quellen
Cantone, K. F., & Triulzi, M. (2024, August 29–31). Bridging perspectives: Growing children’s perceptions and awareness of plurilingualism [Konferenzbeitrag]. 13th International Conference on Third Language Acquisition and Multilingualism, University of Groningen.
Decristan, J., Bertram, V., Reitenbach, V., Schneider, K. M., & Rauch, D. P. (2024). Translanguaging in today's multilingual classes: Students' perspectives of classroom management and classroom climate. Teaching and Teacher Education, 139, 104437. https://doi.org/10.1016/j.tate.2023.104437
Ellis, R. (2008). Learner beliefs and language learning. Asian EFL Journal, 10(4), 7–25.
Fuhs, B. (2012). Kinder im qualitativen Interview: Zur Erforschung subjektiver kindlicher Lebenswelten. In F. Heinzel (Hrsg.), Methoden der Kindheitsforschung: Ein Überblick über Forschungszugänge zur kindlichen Perspektive (S. 80–103). Beltz Juventa.
Groskreutz, A. (2020). Selbstbilder mehrsprachiger Grundschulkinder und ihr sprachliches Lernen im Kontext Schule. Auszüge aus einer qualitativen Interviewstudie. Zeitschrift für Interkulturellen Fremdsprachenunterricht, 25(1).
Haukås, Å., Storto, A., & Tiurikova, I. (2022). School students' beliefs about the benefits of multilingualism. Journal of Multilingual and Multicultural Development, 45(7), 2817–2830. https://doi.org/10.1080/01434632.2022.2075001
Rühlmann, L. (2021). Mit Kindern über Mehrsprachigkeit sprechen – Methodische (Selbst-)Reflexion einer Befragung von Viertklässler*innen. Diskurs Kindheits- und Jugendforschung / Discourse. Journal of Childhood and Adolescence Research, 16(4), 448–461. https://doi.org/10.3224/diskurs.v16i4.06
Smith-Christmas, C. (2022). 'Right an turn agadsa': The reflexivity between language socialisation and child agency in exploring 'success' in FLP. Language & Communication, 86, 119–128. https://doi.org/10.1016/j.langcom.2022.06.004
Ticheloven, A., Blom, E., Leseman, P., & McMonagle, S. (2019). Translanguaging challenges in multilingual classrooms: Scholar, teacher and student perspectives. International Journal of Multilingualism, 18(3), 491–514. https://doi.org/10.1080/14790718.2019.1686002
Triulzi, M. (2023). Biliteracy im Italienischen und im Deutschen: Mehrsprachige Kinder im Übergang zwischen bilingualer Grundschule und monolingualer weiterführender Schule. Waxmann. https://doi.org/10.31244/9783830998396
von Dewitz, N., Maahs, I.-M., & Wamhoff, D. (2022). Die eigene Mehrsprachigkeit im Blick: Perspektiven migrationsbedingt mehrsprachiger Schüler*innen. Leseräume, 8, 1–20. https://leseräume.de/wp-content/uploads/2022/12/lr-2022-1-Dewitz-Maahs-Wamhoff.pdf
Wamhoff, D., Maahs, I.-M., & von Dewitz, N. (2022). „Wichtiger find’ ich jetzt nicht, aber manche sind halt einfach nützlicher“: Sprachliche Hierarchisierungen aus Sicht mehrsprachig aufgewachsener Schüler*innen. Zeitschrift für Interkulturellen Fremdsprachenunterricht, 27(1), 345–368. https://ojs.tujournals.ulb.tu-darmstadt.de/index.php/zif/article/view/1171/1166
Parallele Formate im Detail
Parallele Formate im Überblick
Parallele Formate im Seminargebäude am 3. März 2026 Teil I von 11:00 – 12:30 Uhr Teil II von 13:30 - 15:00 Uhr | |
|---|---|
| Fachgespräch | Basiskompetenzen fördern – mehrsprachig? |
| Fachgespräch | Mehrsprachigkeit in Lehrwerken – Lehrkräfte, Wissenschaft und Verlage im Gespräch |
| Fachgespräch | Quo vadis Herkunftssprachlicher Unterricht (HSU)? |
| Praxisworkshop | Fehler? Kompetenz! Ein Workshop zur ressourcenorientierten Sprachdiagnostik in mehrsprachigen Lernkontexten |
| Symposium | Mehrsprachigkeit und metasprachliches Bewusstsein im Sprachunterricht |
| Symposium | Stimmen der Lernenden: Schüler:innenperspektiven auf Mehrsprachigkeit und sprachliche Vielfalt im Unterricht |
Fachgespräch - Basiskompetenzen fördern - mehrsprachig?
03. März 2026, Seminargebäude
Fachgespräch: Basiskompetenzen fördern – mehrsprachig?
Leitung: Rebekka Wanka, Sandra Tietjens
Thema bzw. Fragestellung: Wie kann und sollte Mehrsprachigkeit bei der Förderung von Basiskompetenzen im Schulunterricht einbezogen werden?
Der gezielte Ausbau von Basiskompetenzen ist eine zentrale Aufgabe schulischer Bildung. Gleichzeitig prägt sprachliche Vielfalt zunehmend den Unterrichtsalltag. Doch wie kann und sollte Mehrsprachigkeit bei der Förderung von Basiskompetenzen einbezogen werden?
In diesem Fachgespräch wird ein Austausch zwischen Vertreter*innen aus Praxis und Wissenschaft zu Potenzialen, Herausforderungen und konkrete Ansätze eines Unterrichts, der Mehrsprachigkeit als Ressource begreift, angeregt. Unter anderem sollen der aktuelle Stand der Forschung und der Unterrichtspraxis sowie existierende Unterrichtsmaterialien und Desiderate diskutiert werden. Das moderierte Fishbowl-Format lädt sowohl die eingeladenen Diskutant*innen als auch alle anderen Teilnehmenden dazu ein, aktiv Perspektiven einzubringen. Im zweiten Teil der Veranstaltung findet ein interessengeleiteter Austausch in Kleingruppen statt. Die Fragestellungen dazu werden aus der moderierten Diskussion des ersten Teils abgeleitet.
Leitfragen des Fachgesprächs sind:
- Wie ist aus Sicht der Diskutant*innen der Status quo des Einbezugs von Mehrsprachigkeit bei der Förderung von Basiskompetenzen im Schulunterricht? —> Was ist die gängige Praxis, Was ist Stand der Forschung, Welche Unterrichtsmaterialien gibt es?
- Kontinuum zwischen Praxis und Wissenschaft: Was sollte passieren und wie? Was passiert bereits und wie? Was wird benötigt für einen stärkeren/besseren Einbezug der Mehrsprachigkeit?
Ziele des Fachgesprächs sind:
Das Fachgespräch soll dazu beitragen, unterschiedliche Perspektiven kennenzulernen und zusammenzuführen sowie Wege aufzuzeigen, wie Basiskompetenzen mehrsprachig und nachhaltig gefördert werden können. Weiterhin sollen gemeinsam Entwicklungsbedarfe und konkrete Ansatzpunkte identifiziert werden.
Referent:innen:
- Schulleitung („Rucksack"-Schule Köln, angefragt)
- Lehrkraft (aus dem Landesprogramm „Grundschulbildung stärken durch HSU – Mehrsprachigkeit unterstützt den Bildungserfolg der Kinder“, angefragt)
- Projektmitarbeitende (aus dem Bücherkoffer-Programm, coach@school e.V., angefragt)
- Petr Frantik (Programmleiter von „Grundschulbildung stärken durch HSU – Mehrsprachigkeit unterstützt den Bildungserfolg der Kinder“)
- Prof. Dr. Christiane Bongartz (Lehrstuhl English Linguistics and Multilingualism, Universität zu Köln)
Bildungsetappe: Primarstufe, Sekundarstufe
Fachgespräch - Mehrsprachigkeit in Lehrwerken
03. März 2026, Seminargebäude
Fachgespräch: Mehrsprachigkeit in Lehrwerken – Lehrkräfte, Wissenschaft und Verlage im Gespräch
Leitung: Dr. Lena Decker, Dr. Irene Corvacho del Toro
Thema bzw. Fragestellung: Wie wird bzw. wie kann in Lehrwerken Mehrsprachigkeit thematisiert werden?
In den neuen Bildungsstandards für das Fach Deutsch für den Primarbereich findet sich die folgende Passage:
„Für viele Schülerinnen und Schüler ist die deutsche Sprache nicht die erste und nicht die (einzige) Familiensprache. Sie verfügen dadurch z. T. über andere sprachliche Erfahrungen und Kompetenzen als einsprachig Aufwachsende. Der Deutschunterricht sollte dies als Ressource verstehen und für die interkulturelle Bildung aller Schülerinnen und Schüler nutzen“ (KMK 2022: 6).
Ob dies aber tatsächlich passiert, ist zum einen anhängig von der jeweiligen Lehrkraft und zum anderen davon, inwiefern dieses Thema in Materialien für den Unterricht – v.a. in Lehrwerken – aufgegriffen wird. Zwar scheint die Bereitschaft von (angehenden) Lehrkräften, Mehrsprachigkeit in ihren Unterricht zu integrieren, hoch zu sein (vgl. hier z.B. die Studien von Fischer, Hammer & Ehmke 2018, Bien-Miller et al. 2019, Lange & Pohlmann-Rother 2020 und Kaplan 2023), ihnen fehlen jedoch häufig die entsprechenden Methoden und praktischen Anleitungen zur konkreten Umsetzung, z.B. in Lehrwerken (vgl. Bredthauer & Engfer 2018, Kaplan 2023).
Dieser Befund bietet die Grundlage für die in diesem Format zur Diskussion gestellte Fragenkomplex, ob und inwiefern Lehrwerke Mehrsprachigkeit thematisieren bzw. thematisieren können und/oder sollten. Ein Beispiel findet sich in der neuen Ausgabe des Lehrwerks „Das Deutschbuch für die Fachhochschulreife“ (Cornelsen) aus dem Jahr 2023, welches ein gesamtes, neu konzipiertes Kapitel zum Thema Mehrsprachigkeit beinhaltet.
Leitfragen des Fachgesprächs sind:
- (Warum) Sollte Mehrsprachigkeit in Lehrwerken thematisiert werden?
- Wie kann Mehrsprachigkeit in Lehrwerken thematisiert werden?
- Gibt es konkrete Beispiele aus Lehrwerken, die Mehrsprachigkeit thematisieren?
Ziele des Fachgesprächs sind:
- Austausch über den aktuellen Stand der Thematisierung von Mehrsprachigkeit in Lehrwerken
- Reflexion praktischer Erfahrungen und fachdidaktischer Perspektiven
- Diskussion der Rolle und Möglichkeiten von Lehrwerken im Umgang mit sprachlicher Vielfalt
- Identifikation von Herausforderungen und Unterstützungsbedarfen für Lehrkräfte
- Entwicklung von Impulsen für eine mehrsprachigkeitssensible Lehrwerkgestaltung
Referent:innen:
Janine Dietermann (Lehrkraft am Städtischen Gymnasium in Olpe)
Dr. Sonja Hensel (Lehrkraft am Berufskolleg in Siegburg und Mitherausgeberin des Lehrwerks „Das Deutschbuch für die Fachhochschulreife)
Prof. Dr. Gesa Maren Siebert-Ott (bis Febr. 2020 Professorin für Sprachpädagogik und Sprachdidaktik an der Universität Siegen)
Beatrix Burghaus (Lehrkraft an der Düringerschule in Olpe (Grundschule))
Bildungsetappe: Primarstufe, Sekundarstufe
Fachgespräch - Quo vadis Herkunftssprachlicher Unterricht (HSU)?
03. März 2026, Seminargebäude
Fachgespräch: Quo vadis Herkunftssprachlicher Unterricht (HSU)?
Leitung: Prof.’in Helena Olfert (Universität Osnabrück), Prof. Dr. Till Woerfel (PH Zürich), Hannah Koch (Universität Osnabrück), Maria Sulimova (Universität Leipzig)
Thema bzw. Fragestellung: Zukunftsfähigkeit des HSU? - Unterschiedliche Perspektiven vereinen: Wissenschaft, Praxis & Admin im Dialog
Der Herkunftssprachliche Unterricht (HSU) ist eines der bedeutsamsten (non)formalen Angebote sprachlicher Bildung, um die Vorkenntnisse von mehrsprachig aufwachsenden Lernenden in ihrer Erstsprache in der Einwanderungsgesellschaft zu erhalten und (auch schriftsprachlich) auszubauen. Mehrsprachigkeit und insbesondere sogenannte Herkunftssprachen nehmen dadurch einen Platz in sprachlichen (und fachlichen) Lehr-Lern-Umgebungen ein. Doch welche Entwicklungen und Diskurse sind aktuell im Hinblick auf den Unterricht zu verzeichnen?
In dem Fachgespräch kommen Stimmen und Perspektiven aus der Bildungsadministration, -praxis und Wissenschaft zusammen, um dieser Frage nachzugehen. Eine Orientierung erfolgt dabei an vier Hauptthematiken, die Entwicklungen in verschiedenen Bundesländern aufgreifen und zudem übergeordnete, sprachenpolitische Fragestellungen miteinbeziehen.
- Die Unterrichtsbenennung befindet sich im Wandel und damit verbunden auch Begrifflichkeiten. So wurde der Herkunftssprachliche Unterricht erst vor Kurzem in einigen Bundesländern in Erstsprachenunterricht umbenannt.
- Gleichzeitig gibt es Fortschritte in der Lehrkräfteprofessionalisierung: An der Universität Duisburg-Essen erfolgte im Wintersemester 23/24 die Einführung eines Teilstudienganges zur Ausbildung von HSU-Lehrkräften. Dieser ermöglicht bundesweit erstmals die systematische Ausbildung von Lehrkräften für die Primarstufe.
- Neben diesen zwei aktuellen Entwicklungen bleibt die Frage nach dem Status und der Integration von sogenannten Migrationssprachen im Rahmen des schulischen Sprachenkanons bestehen. Hier stellt sich weiterhin die Frage nach Möglichkeiten für den Einbezug marginalisierter Sprachen und die Umsetzung einer entsprechenden Öffnung.
- Ein Schwerpunkt liegt zudem auf konkreten Kooperationsformen zwischen dem HSU und dem Regel- und Fachunterricht sowie außerschulischen Angeboten. In Zusammenhang damit ist zu beleuchten, wie durch Kooperationen Synergien angestoßen und welche Effekte dadurch erzielt werden können. Auch die Entwicklung im Ausbau des offenen Ganztages sollte hierbei in den Blick genommen werden.
Leitfragen des Fachgesprächs sind:
- Was bedeuten (neue) Begrifflichkeiten aus machtkritischer Perspektive? Sind sie angemessen?
- Was bietet die neue Aus- und Bildungsmöglichkeit? Welche Perspektiven eröffnen sich dadurch? Was muss dabei berücksichtigt werden? Und was macht das mit dem Status des HSU?
- Ist das „Auslaufmodell“ (vgl. Küppers & Schroeder 2017) ausgelaufen? Hat sich durch die Umbenennung in Erstsprachenunterricht etwas verändert?
- Was sind aktuelle Perspektiven aus den Bundesländern? Und was muss im Sinne einer Öffnung in der Schule tatsächlich passieren?
- Wie kann der Unterricht zukünftig mit dem Fachunterricht effektiv und auf Augenhöhe verzahnt werden? Und wie mit außerschulischen Bildungsangeboten kooperieren? Was kann sich mit Blick auf den offenen Ganztag ändern? Wie können Synergien angestoßen und genutzt werden?
Ziele des Fachgesprächs sind:
Eine ganzheitliche und zeitgemäße Ausrichtung hin zu einem Sprachunterricht, der Binnendifferenzierung, Digitalität und Sprachsensibilität gleichermaßen berücksichtigt, bildet die Grundlage für die Zukunft des HSU. Vor diesem Hintergrund und aktuellen Entwicklungen wird im gemeinsamen Dialog zwischen Akteur:innen aus Wissenschaft, Bildungspraxis und -administration die Zukunftsfähigkeit des HSU diskutiert. Ziel dabei ist es, unterschiedliche Akteure des Bildungssystems und damit einhergehend die verschiedenen (System-)Logiken zusammenzubringen und dadurch Diskurse über den HSU zu intensivieren.
Referent:innen:
- Dr.in Jule Böhmer (Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung, Hansestadt Hamburg)
- Dr.in Dorota Okonska (Universität Duisburg-Essen)
- Dr.in Dita Vogel (Universität Bremen)
- Jihyoung Gemma Han (Verband der Schulleiter der Koreanischen Schulen in Deutschland)
- Kira Sadoja (Schulamt Düsseldorf / Bezirksregierung Düsseldorf (Bereich Qualifizierung für HSU-Lehrkräfte))
- Kadir Çetin (Ministerium für Bildung und Kultur des Saarlandes)
Bildungsetappe: Primarstufe, Sekundarstufe
Zitierte Literatur:
Küppers, Almut & Schroeder, Christoph (2017): Warum der türkische Herkunftssprachunterricht ein Auslaufmodell ist und warum es sinnvoll wäre, Türkisch zu einer modernen Fremdsprache auszubauen. Eine sprachenpolitische Streitschrift. Fremdsprachen Lehren und Lernen (FLuL) 46/1, 56-71.
Praxisworkshop - Fehler? Kompetenz!
03. März 2026, Seminargebäude
Praxisworkshop: Fehler? Kompetenz! Ein Workshop zur ressourcenorientierten Sprachdiagnostik in mehrsprachigen Lernkontexten
Leitung: Rode Veiga-Pfeifer, Kathrin Drews
Thema bzw. Fragestellung: Wie können Lehrkräfte die Schreibfertigkeiten von Sprachlernenden genau einschätzen und dabei deren mehrsprachigen Fähigkeiten berücksichtigen?
Die Gesellschaft, in der wir leben, zeichnet sich zunehmend durch eine „Superdiversität“ (El Mafaalani 2023) aus, die sich u.a. in einer sprachlichen Vielfalt in den heutigen Klassenzimmern ausdrückt. Im schulischen Kontext stellt sich für Lehrkräfte daher die Frage, wie sie im Lernprozess die mehrsprachigen Fähigkeiten ihrer Lernenden mitberücksichtigen können.
Doch bevor Lehrkräfte mit der sprachlichen Förderung ihrer Lernenden beginnen können, sollten im Rahmen einer Diagnostik mögliche sprachliche Potentiale sowie Förderbedarfe der jeweiligen Lernenden ermittelt werden. Zu einer solchen kompetenzenorientierten Vorgehensweise gehört also zunächst die Wertschätzung der bereits vorhandenen sprachlichen Fähigkeiten, bevor noch nicht erworbene Kompetenzen bzw. Fehler fokussiert werden.
Voraussetzungen dafür sind seitens der Lehrkräfte sowohl ein grundlegendes Verständnis für Sprache als auch ihre Bereitschaft, die deutsche Sprache aus der DaZ-DaF-Perspektive zu betrachten. Hierbei können insbesondere linguistische Kenntnisse dazu beitragen, eine Textkorrektur nicht subjektiv aus einem Sprachgefühl heraus durchzuführen, sondern anhand einer systematischen Struktur, die von konkreten sprachlichen Phänomenen ausgeht.
Dieser Praxisworkshop stellt das mehrsprachigkeitsorientierte Sprachdiagnostikverfahren der kompetenzenorientierten linguistischen Lerner:innentextanalyse (KLLA; Veiga-Pfeifer et al. 2020) mit ihren sieben Arbeitsschritten vor. Dabei werden authentische Schreibprodukte von Sprachlernenden anhand unterschiedlicher Sprachebenen untersucht und die Mehrsprachigkeit von Lernenden berücksichtigt. Die Analysenergebnisse können Lehrkräfte als eine gut fundierte Grundlage zur Erstellung bedarfsorientierter Förderkonzepte für ihre mehrsprachigen Lernenden nutzen.
Leitfragen des Praxisworkshops sind:
- Wie kann die KLLA Lehrkräfte dabei unterstützen, bei der Korrektur von Lerner:innentexten systematisch vorzugehen?
- Welche sprachlichen Phänomene bieten bei einer solchen linguistischen Analyse eine gute Orientierung bei der Einschätzung der Schreibfertigkeiten von Sprachlernenden?
- Welche Rolle spielt dabei das Sprachrepertoire von Lernenden?
- Wo können Lehrkräfte sprachkontrastive Beschreibungen zwischen dem Deutschen und einschlägigen Herkunftssprachen finden?
Ziele des Praxisworkshops sind:
- über ausgewählte sprachliche Phänomene aus dem Deutschen reflektieren
- die Lerner:innenperspektive einnehmen
- bei einer Textkorrektur- bzw. analyse systematisch vorgehen
- Schreibfertigkeiten von Sprachlernenden genau einschätzen
- eine sprachbewusste Auseinandersetzung mit der deutschen Sprache üben
- kompetenzenorientiert vorgehen, indem zunächst bereits vorhandene sprachliche Stärken erkannt und wertgeschätzt werden.
- Förderbedarfe ermitteln, ohne defizitorientiert vorzugehen
- eine wertvolle Grundlage für die Erstellung einer bedarfsorientierten Förderung schaffen
Referent:innen und Projekte:
- Rode Veiga-Pfeifer
- Projekt: Entwicklung der KLLA zusammen mit ehemaligen Kolleg:innen aus dem Weiterbildungsstudiengang Deutsch als Zweitsprache (2016-2024).
Bildungsetappe: Sekundarstufe, berufliche Bildung
Literatur:
El-Mafaalani, Aladin (2023): Bildungsgerechtigkeit, Superdiversität und neue Ungleichheiten. Herausforderungen für multiprofessionelle Kooperation. In: Fischer, Christian; Platzbecker, Paul (Hrsg.): Aufholen nach Corona? Was Schule zu mehr Bildungsgerechtigkeit beitragen kann (Reihe Münstersche Gespräche zur Pädagogik). Münster.
Veiga-Pfeifer, Rode; Maahs, Ina-Maria; Triulzi, Marco; Hacısalihoğlu, Erol (2020): Linguistik für die Praxis: Handreichung Kompetenzzentrum. zur kompetenzenorientierten www.uni-due.de/imperia/md/content/prodaz/veiga pfeifer_maahs_triulzi_hacisalihoglu_linguistik_praxis.pdf
Symposium - Mehrsprachigkeit und metasprachliches Bewusstsein im Sprachunterricht
03. März 2026, Seminargebäude
Symposium: Mehrsprachigkeit und metasprachliches Bewusstsein im Sprachunterricht
Leitung: Dr. Christoph Gantefort , Dr. Muhammed Akbulut
Thema bzw. Fragestellung: Wie kann die Mehrsprachigkeit von Lernenden im Fremdsprachen- und Deutschunterricht für die Förderung von sprachlichen und metasprachlichen Fähigkeiten aktiviert und genutzt werden?
Die Mehrsprachigkeit von Schüler*innen stellt sich einerseits als relevante Voraussetzung für das schulische Lernen dar, denn ein großer Anteil von Lernenden wächst in mehrsprachigen Familien auf (vgl. Stanat et al. 2021). Zum anderen wird Mehrsprachigkeit in den Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz als Outcome schulischer Bildung operationalisiert: In den Fremdsprachen als übergeordnete Zielsetzung in Form einer „plurilingualen Diskurskompetenz“ (vgl. KMK 2023); im Fach Deutsch stärker eingeordnet in den Kanon der Einzelkompetenzen mit einem Fokus auf die Fähigkeit, sprachliche Phänomene in verschiedenen Einzelsprachen miteinander vergleichen zu können (vgl. KMK 2022).
Vor dem Hintergrund von Forschungsergebnissen, die Vorteile mehrsprachiger Personen in der Aneignung von (neuen) Sprachen zeigen (vgl. z. B. Hirosh & Degani 2018) stellt sich die Frage, inwiefern monolinguale Verständnisse überwindende didaktische Arrangements im Fremdsprachen- und Deutschunterricht geeignet sind, Potenziale mehrsprachiger Schüler*innen für das sprachliche Lernen zu aktivieren und auszuschöpfen (vgl. z. B. Dietrich-Grappin, Gogolin & Usanova 2024). Als ein möglicher Anknüpfungspunkt gilt die Umsetzung mehrsprachigkeitsdidaktischer Prinzipien, in welchen die Förderung der Domänen von (mehrsprachigkeitsbezogenen) metasprachlichen Bewusstseins (vgl. Garret & James 1993, Jessner 2006 ) eine wesentliche Rolle spielt.
Der Forschungsstand zu den Effekten von mehrsprachigkeitsdidaktischen Unterrichtselementen, der Förderung metasprachlichen Bewusstseins und den gegebenen mehrsprachigen Fähigkeiten der Lernenden auf die Aneignung von Kompetenzen im Fremdsprachen- und Deutschunterricht stellt sich jedoch zum gegenwärtigen Zeitpunkt als uneindeutig und nicht konklusiv dar (vgl. Studer 2025). Daher soll in diesem Symposium Gelegenheit geschaffen werden, aktuelle Forschungsarbeiten zu diesem Gegenstandsfeld vorzustellen und zu diskutieren. Eingeladen sind im Besonderen empirische Beiträge zu den Effekten mehrsprachigkeitsdidaktischer Interventionen sowie zum Zusammenhang zwischen metasprachlichen Fähigkeiten und der Entwicklung von Kompetenzen in den schulischen Fremdsprachen, in den im herkunftssprachlichen Unterricht vermittelten Sprachen und im Fach Deutsch. Darüber hinaus sind auch theoretisch-konzeptionelle Beiträge willkommen sowie solche, die sich auf die Professionalisierung von (angehenden) Lehrkräften beziehen.
Leitfragen des Symposiums sind:
- Wie wirkt sich die Förderung metasprachlichen Bewusstseins durch mehrsprachigkeitsdidaktische Elemente auf die Sprachentwicklung in Fremdsprachen, im Deutschen sowie auf motivational-affektiver Ebene der Lernenden aus?
- Welcher Zusammenhang besteht zwischen metasprachlichen Fähigkeiten und dem sprachlichen Lernen?
- Welche aktuellen Konzepte zur Förderung von metasprachlichem Bewusstsein liegen vor?
- Welche Rolle spielt die Förderung von metasprachlichem Bewusstsein in der fachdidaktischen Ausbildung von Lehrkräften?
Referent:innen bzw. mögliche Projekte:
Siehe “Call for Papers - Symposium Mehrsprachigkeit” oder hier als PDF-Download.
Bildungsetappe: Primarstufe, Sekundarstufe, berufliche Bildung
Literatur:
Dietrich-Grappin, S., Gogolin, I., & Usanova, I. (2024). Migrationssensibler Fremdsprachenunterricht – Voraussetzungen, Lerngelegenheiten und Ziele am sogenannten dritten Ort. Einführung in den Themenschwerpunkt. Zeitschrift für interkulturellen Fremdsprachenunterricht 29(2), 1-20.
Hirosh, Z., & Degani, T. (2018). Direct and indirect effects of multilingualism on novel language learning: An integrative review. Psychonomic bulletin & review, 25(3), 892–916.
Jessner, U. (2006). Linguistic Awareness in Multilinguals: English as a Third Language. Edinburgh: Edinburgh University Press.
Kultusministerkonferenz (KMK) (2022). Bildungsstandards für das Fach Deutsch Erster Schulabschluss (ESA) und Mittlerer Schulabschluss (MSA), from https://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2022/2022_06_23-Bista-ESA-MSA-Deutsch.pdf.
Kultusministerkonferenz (KMK) (2023). Bildungsstandards für die erste Fremdsprache (Englisch/Französisch) für den Ersten Schulabschluss und den Mittleren Schulabschluss, from https://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2023/2023_06_22-Bista-ESA-MSA-ErsteFremdsprache.pdf.
Stanat, P., Schipolowski, S., Schneider, R., Sachse, K. A., Weirich, S., & Henschel, S. (Eds.) (2022). IQB-Bildungstrend 2021: Kompetenzen in den Fächern Deutsch und Mathematik am Ende der 4. Jahrgangsstufe im dritten Ländervergleich. Erscheinungsort nicht ermittelbar: Waxmann Verlag.
Studer T. (2025). Fremdsprachliche Kompetenzen im Zeichen plurilingualer Ansätze: Ambivalenzen verstehen und damit umgehen können. In N. Kulovics, O. Mentz, & T. Raith (Hrsg.), Grenzen, Grenzräume, Entgrenzungen. Perspektiven in der Fremdsprachenforschung (pp. 21–38). Schneider: Bielefeld.
Symposium - Stimmen der Lernenden
03. März 2026, Seminargebäude
Symposium: Stimmen der Lernenden: Schüler:innenperspektiven auf Mehrsprachigkeit und sprachliche Vielfalt im Unterricht
Leitung: Dr. Marco Triulzi, Dr. Stefanie Bredthauer, Dr. Ina-Maria Maahs
Thema bzw. Fragestellung: Wie nehmen Schüler:innen Mehrsprachigkeit im Unterricht wahr?
Das Symposium "Stimmen der Lernenden: Schüler:innenperspektiven auf Mehrsprachigkeit und sprachliche Vielfalt im Unterricht" im Rahmen der Jahrestagung des Mercator-Instituts für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache thematisiert ein bisher wenig erforschtes, aber bedeutsames Feld der sprachlichen Bildung. Im Fokus steht die Perspektive von Schüler:innen auf Mehrsprachigkeit, die für die lerner:innenorientierte Gestaltung sprachlich sensibler Bildungssettings sowie für inklusive Bildungsprozesse zunehmend an Bedeutung gewinnt. Bisher wurde der Schwerpunkt der Forschung auf Lehrkräfte, institutionelle Rahmenbedingungen und didaktische Praktiken gelegt, während die Sichtweisen der Lernenden selbst oft vernachlässigt wurden.
Untersuchungen aus der Zweit- und Fremdsprachenforschung belegen, dass die Überzeugungen und Einstellungen von Lernenden signifikante Auswirkungen auf Sprachlernprozesse haben und als wesentliche individuelle Einflussfaktoren zu betrachten sind. Auch in der Spracherhalts- und Schulforschung wird die Anerkennung von Kindern und Jugendlichen als kompetente Akteur:innen betont, die differenzierte Aussagen über ihre sprachlichen Erfahrungen und Einstellungen machen können. Diesbezüglich wird die Forderung nach einer gerechteren Teilhabe in sprachlich relevanten gesellschaftlichen Bereichen artikuliert.
Im Grundschulbereich belegen Studien, dass Schüler:innen positive Erfahrungen mit mehrsprachigen Unterrichtssettings machen, dennoch dominieren in der Praxis häufig monolinguale Orientierungen. Viele Kinder berichten von Sprachgeboten oder -verboten sowie vom Verzicht auf Familiensprachen. Häufig manifestieren sich bei mehrsprachigen Kindern über die Grundschule hinaus der Wunsch nach sprachlicher Anpassung und die Präferenz, ihre Deutschkenntnisse zu verbessern.
Im Sekundarbereich zeigen internationale Studien, dass Schüler:innen sprachliche Diversität wertschätzen und mehrsprachige Praktiken grundsätzlich positiv bewerten, insbesondere wenn sie sich nicht ausgeschlossen fühlen. Schüler:innen mit Migrationshintergrund oder Auslandserfahrung zeigen dabei eine besonders positive Einstellung gegenüber Mehrsprachigkeit. Dennoch erfährt Mehrsprachigkeit im schulischen Kontext häufig eine unzureichende Wertschätzung, Familiensprachenkompetenzen werden oft nicht berücksichtigt, während Sprachgebote und -verbote das sprachliche Verhalten prägen.
Das Symposium lädt Forschende dazu ein, Beiträge einzureichen, die sich mit folgenden Fragen beschäftigen: Es soll untersucht werden, wie Schüler:innen unterschiedlicher Altersstufen Mehrsprachigkeit wahrnehmen. Es stellt sich die Frage, welche Einstellungen die Personen bezüglich ihrer Mehrsprachigkeit aufweisen. Es soll untersucht werden, wie die Erfahrung von sprachlicher Vielfalt, Unterrichtssprachen und Familiensprachen erfolgt. In diesem Zusammenhang sollen die soziale Zugehörigkeit, Ausgrenzung und Machtverhältnisse beleuchtet werden. Es werden empirische Arbeiten mit qualitativen, quantitativen oder Mixed-Methods-Ansätzen berücksichtigt, die neue Erkenntnisse bezüglich der Perspektiven von Schüler:innen in mehrsprachigen Unterrichtskontexten liefern.
Leitfragen des Symposiums sind:
- Wie nehmen Schüler:innen verschiedener Altersgruppen (Primarbereich, Sekundarstufe I und II, inklusive Berufsschule) Mehrsprachigkeit im Unterricht wahr?
- Welche Einstellungen und Überzeugungen äußern Schüler:innen zu ihrer eigenen Mehrsprachigkeit?
- Wie nehmen sie sprachliche Vielfalt im Klassenzimmer und den Umgang damit wahr?
- Wie erleben Schüler:innen das Verhältnis zwischen Unterrichtssprache(n) und Familiensprache(n)?
- Welche Erfahrungen machen monolingual in der Familie aufgewachsene Schüler:innen mit mehrsprachigen Unterrichtskonzepten?
- Wie wirken sich mehrsprachige Lehr- und Lernpraktiken aus Schüler:innensicht auf das Lernen, die Interaktion im Unterricht und das Unterrichtsklima aus?
- Welche Rolle spielen soziale Zugehörigkeit, Ausgrenzung und Machtverhältnisse in sprachlich heterogenen Klassen aus der Perspektive der Lernenden?
- Welche methodischen und/oder methodologischen Zugänge eignen sich zur Erhebung von Schüler:innenperspektiven auf Mehrsprachigkeit im Unterricht?
Ziele des Symposiums sind:
- Die Stimmen von Schüler:innen zu Mehrsprachigkeit und sprachlicher Vielfalt im Unterricht sichtbar und hörbar machen.
- Den Fokus der Forschung stärker auf die Perspektiven der Lernenden selbst richten, nicht nur auf Lehrkräfte, Institutionen oder didaktische Konzepte.
- Verstehen, wie Schüler:innen Mehrsprachigkeit erleben, bewerten und welche Rolle Sprache für Zugehörigkeit, Ausgrenzung und Machtverhältnisse spielt.
- Die Bedeutung von Mehrsprachigkeit für Lernprozesse, Unterrichtsqualität und soziale Teilhabe aus Sicht der Lernenden erfassen.
- Den Diskurs über gerechte sprachliche Teilhabe im Bildungssystem fördern und methodische Zugänge zur Erhebung von Schüler:innenperspektiven weiterentwickeln.
Referent:innen und Vortragstitel:
- Dr. Eva Knopp (Radboud Universiteit Nijmegen): „Er spricht beide Sprachen gleichzeitig … warum sollte das traurig sein?“: Eine Szenario-Methode zur Elizitation der Einstellungen niederländischer Grundschulkindern im Alter von 8 bis 12 Jahren
- Dr. Astrid Jurecka (Goethe-Universität Frankfurt), Dr. Rebecca Höhr (Goethe-Universität Frankfurt), Prof. Dr. Ilonca Hardy (Goethe-Universität Frankfurt), Dr. Anna Volodina (Leibniz-Institut für Deutsche Sprache), Anja Riemenschneider (Technische Universität Dortmund) & Prof. Dr. Birgit Heppt (Technische Universität Dortmund): Wie Kinder Mehrsprachigkeit im schulischen Kontext erleben und welche Rolle die Unterrichtsgestaltung dabei spielt – Schüler:innenperspektiven im Grundschulunterricht
- Eva Gerber (Universität Leipzig): „Warum soll man einem Kind nicht das erlauben, was es kann?“ - Perspektiven von Grundschulkindern auf Mehrsprachigkeit in der Schule
- Jun.-Prof. Dr. Nora von Dewitz (Universität zu Köln), Natalie Burr (Schiller-Gymnasium Köln), Rümeysa Karatas (Carl-von-Ossietzky-Gesamtschule Köln): „die kann mir nicht meine Sprache verbieten“ – Sprachregelungen aus Schüler:innenperspektive
- Franzisca Hebald (Universität Duisburg-Essen), Prof. Dr. Lars Schmelter (Universität Wuppertal) & Prof. Dr. Kerstin Göbel (Universität Duisburg-Essen): Zusammenhänge zwischen motivationsunterstützenden Unterrichtsmerkmalen und der Bewertung mehrsprachigkeitsorientierter Aufgaben im Französischunterricht der Sek. I – Analysen aus dem Projekt Franzimo („Französisch als 2. Fremdsprache: interkulturell und mehrsprachigkeitsorientiert“)
- Prof. Dr. Inger Petersen, Dr. Sonja Domes, Dr. Göntje Erichsen & Thi Thuy Hoang (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel):Zwischen Mehrsprachigkeitskompetenz und Assimilationsdruck: Perspektiven L2-Lernender auf Mehrsprachigkeit in der Pflegeausbildung
Bildungsetappe: Primarstufe, Sekundarstufe, berufliche Bildung
