Mehrsprachigkeit werde häufig gleichgesetzt mit sprachlichen Defiziten in Deutsch. Dabei müsse man genauer hinschauen. „Denn die Frage der Bildungsnähe oder Bildungsferne spielt eben auch eine Rolle, nicht nur die Mehrsprachigkeit. Das gerät oft aus dem Blick“, erklärt die Sprachwissenschaftlerin, die seit vielen Jahren am Mercator-Institut für Sprachförderung und Deutsch als Zweitsprache in Köln tätig ist.
Eine Diagnostik sei daher entscheidend. Lehrende können nur gut fördern, wenn sie innerhalb der Klasse differenzieren. Sie müssen also erst einmal erheben, wie die unterschiedlichen Lernstände – idealerweise in allen Sprachen der Lernenden – sind.
Es lohnt sich, wenn Lehrkräfte Mehrsprachigkeit konkret in den Unterricht einbeziehen, so Dr. Simone Jambor-Fahlen weiter. Gut möglich sei dies beispielsweise auf Arbeitsblättern, in Gruppenphasen oder wenn Schüler:innen recherchieren und sich Notizen machen. „Das zeigt mehrsprachigen Schülerinnen und Schülern, dass ihre Erstsprache in der Schule einen Platz hat. Dass sie kein Defizit ist, sondern ein Gewinn“, sagt die Expertin für Sprachenvielfalt.
Dr. Simone Jambor-Fahlen ist neben ihrer Tätigkeit am Mercator-Institut derzeit zudem Vertretungsprofessorin am Institut für Bildungsforschung in der School of Education in Wuppertal.
Hier gelangen Sie zum vollständigen Interview mit der Rheinischen Post zum Thema „Mehrsprachigkeit in der Schule“.
Bild: Mercator-Institut/A. Etges
